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Fowey

Fowey, Hafenstadt und Pilgertor

Wenn man heute Fowey an der Südküste Cornwalls betritt, spürt man sofort, wie sich diese lebendige Hafenstadt dem Wasser zuwendet. Die Häuser drängen sich entlang der Kaianlagen und blicken auf die breite Mündung des Flusses, der ins Meer führt.

Im frühen Mittelalter war der Fluss Fowey ein wichtiger Weg für Mönche und Missionare, die mit dem Boot entlang der Küste reisten und über die Flüsse ins Landesinnere gelangten. Zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert fuhren kleine Schiffe von Fowey in die Bretagne und nach Frankreich. Für viele Pilger war dies der Beginn einer langen Reise nach Santiago de Compostela. So wurde Fowey zu einem echten Tor zum Kontinent.

Heute nehmen Pilger des Cornish Celtic Way noch immer die kurze Bootsfahrt zwischen Polruan und Fowey. Die Überfahrt ist kurz, aber bedeutungsvoll. Wasser zu überqueren symbolisiert seit jeher Übergang: Loslassen, Vertrauen in das Unkontrollierbare und das Betreten einer neuen Etappe der Reise.

Fowey, ein Aufbruch in die Welt

Im späten Mittelalter war Fowey einer der bedeutendsten Häfen der Grafschaft, mit Verbindungen zur Bretagne und zu den westlichen Regionen des Ärmelkanals. Handelsschiffe kamen und gingen unaufhörlich. Zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert fanden Pilger hier eine Möglichkeit zur Überfahrt, wenn ein Schiff in die passende Richtung unterwegs war.

Ihre Reise folgte keinem festen Weg, sondern bestehenden Handelsverbindungen, mit Zwischenstopps in Häfen der Bretagne oder der Normandie. Pilger kauften kein Ticket von Fowey nach Santiago de Compostela. Sie suchten vielmehr einen Schiffsführer, der ihnen einen Platz an Bord anbieten konnte.

Das Meer wurde zu einem Teil der Pilgerreise selbst. Wer am Kai von Fowey stand, wusste nicht immer genau, wo er einige Tage später an Land gehen würde. Die Reise wurde bestimmt vom Rhythmus des Meeres, vom Wetter, den Jahreszeiten und dem verfügbaren Platz auf dem Schiff. Hier begann die Pilgerfahrt mit einem Schritt des Vertrauens: die vertraute Küste hinter sich zu lassen und sich einem neuen Horizont zu öffnen.

Wenn man heute am Kai von Fowey steht und über das Ästuar blickt, ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie Pilger vor Jahrhunderten hier auf ein Schiff warteten, das sie über das Meer bringen würde. Wie in “Das Meer als verbindender Weg”beschrieben, war das Meer für keltische Reisende keine Grenze, sondern vielmehr ein Übergang zu einer neuen Welt.

Polruan, wo Land und Meer einander begegnen

Am östlichen Ufer des Fowey-Ästuars liegt Polruan, ein kleines kornisches Dorf, das sich gleichsam an den steilen Hang schmiegt. Schmale Gassen, steile Treppen und alte Cottages führen hinunter zum Hafen, während Aussichtspunkte herrliche Ausblicke auf Fowey und seinen Hafen, das gewundene Ästuar und das offene Meer bieten. Das Drohnenfoto von Fowey und dem Ästuar wurde daher von Polruan aus aufgenommen.

Über viele Generationen hinweg war Polruan die Heimat von Fischern, Seeleuten und Schiffsbauern. Seine Lage am Eingang des Hafens von Fowey war von grosser strategischer Bedeutung, denn hier treffen Fluss und Meer aufeinander. Der Überlieferung zufolge geht der Name Polruan auf den frühchristlichen Heiligen Ruan zurück. Im Mittelalter wurden an beiden Ufern des Flusses Befestigungsanlagen errichtet, um den Hafen vor Piraten und feindlichen Schiffen zu schützen. Das restaurierte Blockhaus am Wasser erinnert noch heute an diese reiche maritime Vergangenheit.

Heute wird Polruan vor allem wegen seiner ursprünglichen Atmosphäre und seiner Lage am South West Coast Path und an der Cornish Celtic Way geschätzt. Das Dorf bildet einen ruhigen Gegenpol zu Fowey auf der gegenüberliegenden Seite des Wassers, mit dem es durch eine kleine Fähre verbunden ist.