St Ervan

Ein uraltes Ernte-Ritual

'Crying the Neck’ ist ein typisch kornisches Ernte-Ritual, verwurzelt in den landwirtschaftlichen Gemeinschaften Cornwalls aus der Zeit, als Getreide noch von Hand geschnitten wurde. Diese Tradition trägt eine doppelte Bedeutung: Dankbarkeit und Gemeinschaft.

In der kleinen Gemeinschaft von St Ervan habe ich die vielschichtige Bedeutung dieses Rituals erfahren: das Irdische und das Spirituelle, das Volksfest und die Liturgie, die Freude an der Erde und die Dankbarkeit des Glaubens. Als die letzten Töne des Erntelieds „Come, ye thankful people, come“ verklangen, wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr nur ein Außenstehender war; für einen Moment war ich Teil einer Zeremonie, die Land, Glauben und Gemeinschaft verbindet.

Das Ritual der letzten Garbe

Crying the Neck ist ein typisch kornisches Erntedankritual mit tiefen Wurzeln in der landwirtschaftlichen Tradition Cornwalls. Es entstand in einer Zeit, als Getreide noch vollständig von Hand geerntet wurde. Wenn die letzte Garbe auf dem Feld geschnitten wurde, galt dies als ein besonderer, beinahe heiliger Moment. Der Begriff neck, vom altenglischen hnæc, was Halm oder Stängel bedeutet, bezeichnete das letzte Bündel Getreidehalme, das noch auf dem Feld stehen blieb.

Diese letzte Garbe wurde vom Bauern oder einem Feldarbeiter feierlich emporgehoben und der Gemeinschaft präsentiert, oft begleitet von traditioneller Musik und Tanz. So wurde das Ende der Ernte symbolisch begangen.

Der Überlieferung nach rief einer der Schnitter im kornischen Dialekt:
"I 'ave 'un! I 'ave 'un! I 'ave 'un!"
Darauf antworteten die Umstehenden:
"What 'ave 'ee? What 'ave 'ee? What 'ave 'ee?"
Und der Schnitter erwiderte:
"A neck! A neck! A neck!"
Worauf alle gemeinsam ausriefen:
"Hurrah! Hurrah! Hurrah!"

Dankbarkeit auf den Feldern

Diese Tradition trägt eine doppelte Bedeutung. Einerseits drückt sie Dankbarkeit aus: den Dank an die Erde und an Gott für die Ernte. Andererseits steht sie für Gemeinschaft – einen Moment, in dem Bauern, Nachbarn und Familien zusammenkommen, um den Abschluss der Arbeit gemeinsam zu feiern.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde Crying the Neck häufig durch einen Erntedankgottesdienst in der Kirche ergänzt, begleitet von bekannten Liedern wie Come, ye thankful people, come, einem der beliebtesten Erntelieder überhaupt. Auf diese Weise verband sich ein uraltes, beinahe heidnisches Feldritual auf natürliche Weise mit der christlichen Tradition des Dankens.

Der Abend in St Ervan endete mit einem festlichen Essen, gemeinsamen Getränken und traditionellen Liedern. Als Pilger, der eher zufällig dabei war, hatte ich das Gefühl, in dieser kleinen Gemeinschaft Jahrhunderte gelebter Tradition zu erleben: die harte Arbeit auf dem Land, die Freude über eine reiche Ernte und eine tiefe Dankbarkeit, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

“Come, ye thankful people, come” hymn written by Rev Henry Alford in 1844

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